Hauskirche





FAMILIENFEIER AM DONNERSTAG, 24. September 2020

 

Nikolaus von Flüe: Aussteiger oder Prophet?

 

 IN DIE GEGENWART GOTTES TRETEN

 

Eröffnung

Im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes. Amen.

Kerze anzünden (Jesuskerze)

Wir freuen uns, dass Jesus in unserer Mitte ist, und singen das Lied «Wo zwei oder drei in meinem Namen versammelt sind, da bin ich mitten unter ihnen.»

 

Einführung

Morgen feiern wir das Fest des hl. Niklaus von Flüe, besser bekannt als Bruder Klaus. Der Nationalheilige des Schweizer Landes wurde 1417 im Flüeli bei Sachseln geboren. Er lebte fünfzig Jahre in der Welt, tat seine Arbeit als Bauer, leistete den Soldatendienst, war glücklich verheiratet, Vater von zehn Kindern, übte das Amt eines Ratsherrn und Richters aus, der für das Recht und den Frieden eintrat. Aber im Innern des angesehenen Mannes lebte die Unruhe, die ihn von allem weltlichen Tun weg in die Einsamkeit und in die Nähe Gottes drängte. 1467 trennte sich Niklaus von seiner Familie und seinem Besitz und wurde Einsiedler. Auch jetzt hörte er nicht auf, für seine Landsleute Berater und Friedensstifter zu sein. Fast zwanzig Jahre lebte er ohne Nahrung. Die Kraft seines Gebets, seine tiefe Gottverbundenheit und theologische Klarheit waren für seine Zeitgenossen ein Wunder, das sie zugleich anzog und erschreckte. Bruder Klaus starb am 21. März 1487. Noch heute zieht es jährlich viele Pilger und Pilgerinnen in den Ranft, einer einsamen Schlucht des Melchaatals. Flüeli Ranft war übrigens der Ausgangspunkt der diesjährigen Jubiläumswallfahrt.

 

Gebet

Herr, unser Gott,

deinem Ruf folgend, hat Bruder Klaus

Familie und Besitz verlassen,

um in der Einsamkeit für dich allein zu leben;

du aber hast ihn zu einem Ratgeber für viele

und zu einem Mittler des Friedens gemacht.

Höre auf seine Fürsprache.

Lass auch uns deinen Ruf hören,

damit dein Reich der Wahrheit,

der Gerechtigkeit und des Friedens unter uns wachse.

Amen.

  

GOTTES WORT HÖREN UND BEDENKEN

 

Lesung: Friede und Freude im Heiligen Geist (Röm 14,17-19)

Lesung aus dem Brief des Apostels Paulus an die Gemeinde von Rom


«Schwestern und Brüder

Das Reich Gottes ist nicht Essen und Trinken, es ist Gerechtigkeit, Friede und Freude im Heiligen Geist. Und wer Christus so dient, wird von Gott anerkannt und ist bei den Menschen geachtet. Lasst uns also nach dem streben, was zum Frieden und zum Aufbau der Gemeinde beiträgt.»


Wort des lebendigen Gottes. - Dank sei Gott.

 

Ruf vor dem Evangelium

«Die Freude an Gott, Halleluja, ist unsere Kraft, Halleluja.»

 

Evangelium: Ihr, die ihr alles verlassen habt und mir nachgefolgt seid, werdet das Hundertfache erhalten. (Mt 19,27-29)

+ Aus dem heiligen Evangelium nach Matthäus


«In jener Zeit sagte Petrus zu Jesus: Du weisst, wir haben alles verlassen und sind dir nachgefolgt. Was werden wir dafür bekommen?

Jesus erwiderte ihnen: Amen, ich sage euch: Wenn die Welt neu geschaffen wird und der Menschensohn sich auf den Thron der Herrlichkeit setzt, werdet ihr, die ihr mir nachgefolgt seid, auf zwölf Thronen sitzen und die zwölf Stämme Israels richten.

Und jeder, der um meines Namens willen Häuser oder Brüder, Schwestern, Vater, Mutter, Kinder oder Äcker verlassen hat, wird dafür das Hundertfache erhalten und das ewige Leben gewinnen.»

Frohbotschaft unseres Herrn Jesus Christus. - Lob sei dir, Christus.

 

Impulse

Bruder Klaus hat viel getan, was zum Frieden beigetragen hat. Trotzdem tun wir heutigen Menschen wie wohl auch manche seiner Zeit uns schwer mit seinem Schritt, seine Frau Dorothea und die zehn Kinder zurückzulassen und sein Leben als Einsiedler zu fristen.

 

Lassen wir ein paar Personen zu Wort kommen. Fragen wir sie, was sie vom Heiligen vom Ranft wissen und von ihm halten.

Kurt (45 Jahre): Für mich ist er ein Egoist. Einfach Frau und Kinder im Stich lassen, um einer verrückten Idee nachzulaufen.

Silvan (16 Jahre): Niklaus von Flüe? Das ist doch dieser Aussteiger! So ein alternativer Verweigerer aus dem Mittelalter? Ein cooler Typ.

Sr. Catherine: Er ist ein Prophet.

Reporter: Kann jeder von Ihnen seine Meinung kurz begründen?

Kurt: Jeder von uns möchte mal die Sachen hinwerfen. Aber wer kann sich das schon leisten? Wenn Kinder da sind, brauchen sie den Vater. Und die Frau kann man nach langen Ehejahren auch nicht einfach sitzenlassen. Was mich ausserdem ärgert, ist, dass dieser Mann seine Karriere an den Nagel hängt.

Silvan: Das imponiert mir gerade. Wie Niklaus einfach alles von heute auf morgen aufgibt und sich in die Bergschlucht zurückzieht, das ist Spitze. Der ist ein echter Alternativer. Der redet nicht nur, sondern zieht seine Sache durch.

Sr. Catherine: So einfach lässt sich das wohl nicht sagen. Bruder Klaus folgte einem inneren Ruf. Durch Gebet und Fasten und durch das Gespräch mit seinem Beichtvater versuchte er herauszufinden, ob dieser Ruf wirklich von Gott kommt. Vor allem aber sprach er auch mit seiner Frau. Erst als diese ihre Zustimmung gab und als er für die Zukunft seiner Kinder gesorgt hatte, wurde er Eremit.

Kurt: Aber mir will trotzdem nicht einleuchten, warum dieser Niklaus ein Prophet sein soll.

Sr. Catherine: Bruder Klaus spricht mitten in einer diesseitigen Welt von der Wirklichkeit Gottes. Und das geschieht nicht so sehr durch Worte, nein, vielmehr durch sein Leben. Er lebt und betet in einer selbstgewählten Armut und Einsamkeit. Fast 20 Jahre lang braucht er keinerlei Nahrung ausser der heiligen Kommunion. Von seiner Klause aus wird er zum Ratgeber für viele Menschen.

Reporter: Und was glauben Sie, hat uns der Heilige heute noch etwas zu sagen hat?

Kurt: Vielleicht kann uns sein Leben darauf hinweisen, dass Sicherheit und materieller Gewinn nicht alles ist.

Silvan: Oder dass ich auf meine innere Stimme hören soll. Da fällt mir gerade ein; es gibt doch so einen Satz in der Bibel: «Der Mensch lebt nicht vom Brot allein …»

Sr. Catherine: «… sondern von jedem Wort, das aus dem Munde Gottes kommt.» Das könnte tatsächlich der Schlüssel zum Leben des heiligen Niklaus sein. Sein Leben zeigt ausserdem, dass der Mensch, der sich an Gott hält, auch dem Frieden dient.

 

Liebe Feiernde, was hätten Sie dem Reporter auf seine Fragen geantwortet? Was denken Sie über Bruder Klaus? Welche Bedeutung hat er in Ihrem Leben?

  

AUF DAS WORT ANTWORTEN

 

Fürbitten

Grosser Gott.

Niemand von uns kennt deine Wege. Zuversichtlich vertrauen wir, dass du uns führst Darum bitten wir:

Gib, dass die Christen und Christinne in der Schweiz einander mit Verständnis begegnen.

A.: Herr, erhöre unser Gebet.

Bestärke die Politiker und Politikerinnen, für Recht und Frieden einzutreten.

 

Lass die Ehegatten, die sich auseinandergelebt haben, wieder zueinander finden.

 

Lass uns nach dem Vorbild des heiligen Niklaus von Flüe bereitwilliger auf unsere innere Stimme hören und dem Ruf Gottes folgen.

 

Schenke den jungen Menschen, die aus Familie, Schule oder Beruf aussteigen, Zuversicht und lass sie eine Zukunftsperspektive finden.

 

Mache all denen Mut, die sich für den Frieden unter den Völkern, in der Schule, am Arbeitsplatz und in der Familie einsetzen

 

Gott, uns Vater und Mutter, wir leben von jedem Wort, das aus deinem Munde kommt. Wir danken dir, dass dein Wort uns stärkt. Amen.

 

Alle die ausgesprochenen Anliegen und all diejenigen, die wir in unseren Herzen tragen, tragen wir vor Gott, wenn wir beten

 

Vater unser im Himmel (Das Vaterunser kann auch mit Bewegungen gestaltet werden.)

 

GOTTES WORT HINAUSTRAGEN

 

Meditation

«Mein Herr und mein Gott, nimm alles von mir, was mich hindert zu dir.»

Nimm mir die Angst, zu kurz zu kommen.

Nimm mir die Blindheit, mit der ich dein Wirken in der Welt übersehe.

Nimm mir die Schuld, die mich belastet.

Nimm mir die Ablenkungen, die mich daran hindern, zu mir selbst zu kommen.

Nimm mir die Geschwätzigkeit, mit der ich jeden tiefen Gedanken zerrede.

Nimm mir die Traurigkeit, die mich oft mutlos und kraftlos macht.

 

«Mein Herr und mein Gott, gib alles mir, was mich führet zu dir.»

Gib mir Mut,

damit ich zu meinem Glauben stehe.

Gib mir Tapferkeit,

damit ich mich für den Frieden einsetze.

Gib mir Geduld,

damit ich anderen Menschen zuhöre.

Gib mir ein weites Herz,

damit ich mich versöhne.

Gib mir Einsicht,

damit ich deine Wege erkenne.

Gib mir Tatkraft,

damit ich nicht nur schöne Worte mache.  


«Mein Herr und mein Gott, o nimm mich mir und gib mich ganz zu eigen dir.»

Nimm mir die Orientierungslosigkeit

und gib mir Glaube.

Nimm mir die Verzweiflung
und gib mir Hoffnung.

Nimm mir die Gleichgültigkeit
und gib mir Liebe.

 

In einer kurzen Stille kann sich jede und jeder des eigenen Herzenswunsches bewusstwerden und ihn vor Gott tragen.

 

Zum Abschluss leihen wir Bruder Klaus unsere Stimme, indem wir sein Gebet «Mein Herr und mein Gott» im KG bei der Nr. 546 singen. Anschliessend bitten wir Gott um seinen Segen.

 

Auf die Fürsprache des hl. Niklaus von Flüe segne uns Gott, Vater und Mutter, Sohn und Heiliger Geist. Amen.

  

Quellen: Gerhard Eberts, Jugendgottesdienste: Die Heiligen der Kirche, Band 4, Rex-Verlag

               www.erbabtei-beuron.de

  

In Verbundenheit                                                   Lydia Clemenz-Ritz, Katechetin