dienstagmail von

markus Baumgartner



Gute Ideen breiten sich aus




Das Germeringer Repair Café in Oberbayern war 2013 unter dem Motto «Reparieren statt Wegwerfen» das erste seiner Art im Landkreis. Die ehrenamtlichen Helfer bringen technisches Verständnis, handwerkliches Geschick und Liebe zum Detail mit. Fast zwei Drittel der vorbeigebrachten Geräte konnten wieder funktionstüchtig gemacht werden. Und es wurden viele Begegnungen geschaffen. 


Was macht man mit einem Stuhl, an   dem ein Bein kaputt ist? Mit einem Toaster, der nicht mehr funktioniert? Mit   einem Wollpullover mit Mottenlöchern? Wegwerfen? Denkste! Das  Germeringer Repair   Café hat 2013 Pionierarbeit geleistet: Gegründet von   Initianten der Freien evangelischen Gemeinde (FeG) um Elektroingenieur   Gerhard Busch hat sich die Initiative als erste im Landkreis dem Motto  «Reparieren statt Wegwerfen» gewidmet. Er hatte zuvor einen Bericht im   Fernsehen über ein Repair Café in Berlin gesehen. «Wir wollten etwas tun, was   der Stadt zugutekommt», sagte Gerhard Busch zur «Süddeutsche   Zeitung». Auch der Bayerische Rundfunk im Auftrag des ARD  Mittagsmagazins, der ZDF Länderspiegel und einige Lokalzeitungen   berichteten darüber. Damit wird eine Mentalitätsveränderung gefördert. Die   trägt dazu bei, mit den begrenzt vorhandenen Ressourcen sinnvoll und  ökonomisch umzugehen. Das ist dringend nötig, wenn Menschen für eine   nachhaltige Gesellschaft eintreten sollen. Ausserdem vernetzt es Menschen mit   ganz unterschiedlichen Hintergründen, die sich gegenseitig helfen. 

Cafébetrieb   vorerst eingestellt

Den direkten Kontakt zu den Reparateuren im  Gemeindezentrum der evangelischen Freikirche haben die Kunden unter Corona   nicht mehr. Sie müssen ihren Reparaturauftrag per E-Mail zuvor anmelden. Dann   kommen die Besucher zu Beginn des Repair Cafés und bringen ihre defekten  Geräte vorbei und können sie zwei, drei Stunden später wieder abholen. Das   gemütliche Kaffeetrinken und Kuchenessen im Gemeindezentrum fällt weg. «Es   ist schade, dass wir den Cafébetrieb, der fester Bestandteil unserer  Reparatursamstage ist und eine Plattform der Kommunikation und des Austauschs   ist, noch nicht wiederaufnehmen können», sagt Gerhard Busch, aber es   gehe nicht anders. «Wir müssen unsere zumeist älteren Reparateure schützen.»

Auch   Stadträtin repariert

Auch Fereschteh Erschadi-Zimmermann kommt regelmässig   ins Gemeindezentrum. Die SPD-Stadträtin ist als Schneiderin für Näharbeiten   im Repair Café zuständig, schreibt die «Süddeutsche Zeitung» weiter. An   diesem Tag gab es nicht sehr viel zu tun. «Unter Corona reparieren die  Menschen Kleidungsstücke wohl viel selber», sagt sie. Im Gemeindezentrum   sitzen die Freiwilligen an Tischen und reparieren vornehmlich kleine  Elektrogeräte. Eine grosse Bügelmaschine wird erst einmal beiseitegeschoben.   Dafür wird der grosse gelbe Rasenmäher bald wieder laufen. Die  Velo-Spezialisten sind mit ihrer mobilen Fahrradklinik auch unterwegs   und helfen bei den verschiedensten «Wehwehchen». Repariert wird so ziemlich   alles im Germeringer Repair Café. «Nur Drucker und Fernseher nehmen wir nicht  mehr«, sagt Busch. «Das sind zu komplexe Geräte.» Er führt seit 2013 eine   Statistik. In sieben Jahren wurden 1100 Geräte repariert. «Unsere   Erfolgsquote beträgt 63 Prozent», verkündet er.

Halbe   Mio. Tonnen Abfall vermieden

Weltweit gibt es über 2000 Repair Cafés. Diese  organisieren durchschnittlich einmal pro Monat ein Reparaturtreffen und haben   2019 schätzungsweise 420'000 kg Abfall vermieden. Repair Café ist eine   Initiative der Niederländerin Martine   Postma, die sich seit 2007 auf verschiedene Arten für   Nachhaltigkeit auf lokaler Ebene einsetzt. Das allererste Repair Café   organisierte sie 2009 in Amsterdam. Es erwies sich als ein grosser   Erfolg. In Deutschland gibt es bereits über 200 Repair Cafés, die von  Kirchen oder Start-ups angeboten werden. In der Schweiz bisher 18. 
 Herzlich, Markus Baumgartner


P.S. Bitte vormerken: Das Dienstagsmail-Fest findet 2021   als Online-Treffen statt, und zwar am Sonntag 9. Mai 2021 von 16 bis 17   Uhr. Details folgen.